Stan Wawrinka verabschiedet sich in Basel – eine grosse Karriere endet
Stan Wawrinkas aussergewöhnliche Tenniskarriere ist zu Ende. Der 41-jährige Waadtländer verliert am Dienstagabend, 27. Oktober 2026, sein letztes Profimatch an den Swiss Indoors Basel gegen Jiří Lehečka mit 5:7, 6:7 (2:7). Um 23.02 Uhr endet eine Laufbahn mit drei Grand-Slam-Titeln, Olympiagold, einem Davis-Cup-Triumph und 16 ATP-Turniersiegen.
Vor rund 9’200 Zuschauern in der St. Jakobshalle zeigt Wawrinka noch einmal seine grosse Klasse. Gegen den 17 Jahre jüngeren Tschechen hält er während fast zwei Stunden mit und bringt den zweiten Satz ins Tiebreak. Ausgerechnet ein Fehler mit seiner legendären einhändigen Rückhand besiegelt schliesslich die Niederlage. Anschliessend wird der Schweizer mit stehenden Ovationen verabschiedet.
Mit Wawrinka verliert das Schweizer Tennis einen seiner erfolgreichsten Spieler. Während Roger Federer die Herzen mit seiner Eleganz eroberte, wurde Wawrinka zum Sinnbild für Durchhaltewillen und harte Arbeit. Seine drei Grand-Slam-Triumphe gelangen ihm mitten in der Ära von Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic. Am 19. Dezember folgt in Genf noch eine Abschiedsshow.
Wawrinka fordert Lehečka bis zum Schluss
Ein Klassenunterschied ist auf dem Center Court zunächst kaum zu erkennen. Wawrinka spielt entschlossen, schlägt kraftvoll auf und hält auch in längeren Ballwechseln mit dem Weltranglisten-21. mit.
Beim Stand von 3:2 im ersten Satz erarbeitet sich der Schweizer zwei Breakmöglichkeiten. Lehečka wehrt beide ab.
Danach bringen die Spieler ihre Aufschlagspiele zunächst souverän durch. Erst beim Stand von 5:5 unterläuft Wawrinka ein schwächeres Game. Der Tscheche nutzt seine Gelegenheit und serviert anschliessend zum Satzgewinn.
Die letzte Rückhand beendet eine Ära
Im zweiten Durchgang wird die Atmosphäre immer emotionaler. Wawrinka kämpft um jeden Punkt, feuert sich selbst an und geniesst die Unterstützung des Basler Publikums.
Beim Stand von 5:4 für den Schweizer zieht eine Laola-Welle durch die St. Jakobshalle. Selbst Wawrinka macht während des Seitenwechsels begeistert mit.
Beide Spieler halten ihren Aufschlag, sodass die Entscheidung im Tiebreak fällt. Dort setzt sich Lehečka früh ab und erspielt sich beim Stand von 6:2 vier Matchbälle.
Wawrinka schlägt auf. Es folgt ein letzter Ballwechsel, dann landet seine einhändige Rückhand im Aus.
Um 23.02 Uhr ist die Karriere beendet. Nach 23 Jahren auf der ATP-Tour und 985 Partien verlässt einer der grössten Schweizer Tennisspieler die professionelle Bühne.
Stehende Ovationen für Stan the Man
Nach dem Matchball gehört die Aufmerksamkeit nicht dem Sieger, sondern dem unterlegenen Schweizer.
Die Zuschauer erheben sich und feiern Wawrinka minutenlang. Lehečka begegnet seinem Gegner am Netz mit grossem Respekt.
Beim anschliessenden Interview fällt es Wawrinka zunehmend schwer, die Emotionen zurückzuhalten. Er bedankt sich bei seiner Familie, seinem Team und den Menschen, die ihn während seiner Karriere begleitet haben.
Besonders bewegend ist seine letzte Ehrenrunde. Die Fans feiern einen Spieler, der seine Erfolge mit aussergewöhnlichem Einsatz und Beharrlichkeit erarbeitet hat.
Die grosse Verabschiedung hatte bereits am Montag mit einer offiziellen Zeremonie begonnen. Die Vorbereitungen auf Wawrinkas letzten Basler Auftritt waren von zahlreichen Weggefährten und persönlichen Erinnerungen geprägt.
Drei Grand-Slam-Siege gegen die Weltelite
Wawrinkas grösste Erfolge fallen in eine Zeit, in der Federer, Nadal und Djokovic den Tennissport dominieren.
2014 gewinnt der Waadtländer die Australian Open. Im Final besiegt er Rafael Nadal und holt seinen ersten Grand-Slam-Titel.
Ein Jahr später folgt der Triumph bei den French Open. Im Final von Roland Garros bezwingt er Novak Djokovic nach einer herausragenden Leistung.
2016 gelingt ihm bei den US Open der dritte grosse Coup. Erneut setzt er sich im Final gegen Djokovic durch.
Damit gewinnt Wawrinka sämtliche drei Grand-Slam-Finals seiner Karriere. Besonders bemerkenswert: Bei jedem dieser Triumphe besiegt er die damalige Nummer eins der Welt.
Olympiagold und Davis Cup mit Federer
Auch für die Schweizer Nationalmannschaft schreibt Wawrinka Sportgeschichte.
2008 gewinnt er gemeinsam mit Roger Federer bei den Olympischen Spielen in Peking die Goldmedaille im Doppel.
Sechs Jahre später holen die beiden mit der Schweizer Davis-Cup-Mannschaft erstmals den traditionsreichen Mannschaftstitel.
Wawrinka erreicht 2014 zudem mit Platz drei seine höchste Weltranglistenposition.
Sein Vermächtnis reicht jedoch über Titel und Statistiken hinaus. Die einhändige Rückhand, sein kompromissloses Grundlinienspiel und seine mentale Stärke machen ihn über Jahre zu einem der gefürchtetsten Gegner der Weltelite.
Ein letztes Wiedersehen in Genf
Ganz verschwinden wird Wawrinka noch nicht von der Tennisbühne.
Am 19. Dezember findet in Genf die Abschiedsveranstaltung "One Last Backhand" statt.
Mit Roger Federer, Andy Murray und Gaël Monfils werden mehrere prominente Weggefährten erwartet. Geplant sind Showmatches im Einzel und Doppel.
Es wird ein letztes Wiedersehen mit einem Spieler, dessen beeindruckende Karriere nun in Basel ihren sportlichen Abschluss gefunden hat.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert